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Englische Wendungen in einem deutschen,
luxemburgischen, französischen etc. Satz lassen allem
Anschein nach jedwedes Thema gleich moderner,
dynamischer und unserem schnelllebigen Zeitgeist
angemessener erscheinen. Englisch ist die Weltsprache
Nummer 1. Wen will es da verwundern, wenn man Blicke in
die Zukunft, Konzepte und ähnliches englisch betitelt.
Nach einer Runde Fußball, 20 Bahnen im
Schwimmbad oder einer Runde Body Pump im Fitnessstudio
liest man vielleicht den Aufruf zu mehr Bewegung und
Gesundheit aus dem Jahresthema. Bewusste Ernährung,
nachhaltig-ökologisches Wirtschaften mit unseren
Ressourcen – all das sind Themen, die einem beim ersten
Googlen zum Titel, ob mit oder ohne Artikel,
entgegenschlagen. Ebenfalls tauchen eine gute schulische
Bildung, neue pädagogische Konzepte mancher Schulen auf,
wie natürlich auch eine entsprechende mediale Ausrüstung
und Kompetenz. Sprich: Alles was uns tauglich für die
Zukunft macht, also zukunftsfähig, wird unter diesem
Titel offeriert. Ob vergangenheitsverliebte
Ewiggestrige, gegenwartsfixierte Entspannte oder
zukunftssehende Hysteriker - alle preisen Ideen an, die
uns tauglich machen sollen für die Zukunft.
Dass
ein gesundes Maß dabei zu finden sein muss, war schon
den Zisterzienserinnen (Frauenorden) des 12. Jhs. klar,
die in der idyllischen Eifel um die Reliquie des Hl.
Thomas Becket Heimat fanden. Auf einer der
Klostermauern, die das Gelände umgibt, ist zu lesen: „Am
Alten, so es gut ist, halten, aber auf dem alten Grund
neues bauen zu jeder Stund.“ Wie schön verbindet dieser
alte Spruch die Überzeugung, dass ein bewusster Blick in
die Vergangenheit unerlässlich ist, um Kostbares nicht
einfach zu verlieren. Gleichzeitig ermahnt der Satz aber
auch, sich nicht einfach einzurichten, stillzustehen,
faul zu werden.
Als ich vor dem Verfassen dieses
Textes eine kleine Umfrage machte zu der Frage „Was
verbindest du mit unserem Jahresthema?“, kamen etwa
folgende Worte: fortschrittlich, offen, spritzig, frech,
dynamisch, agil, modern, körperlich und geistig fit,
vernetzt, zurückschauen und vorausschauen, up to date
sein etc. Immer wurde angemerkt, dass es bei diesem
Fit-Sein aber nicht bloß um uneingeschränkte Offenheit
für alles Neue gehen kann. Es wurde gewarnt vor
Schnelllebigkeit, gemahnt dazu, auch einmal „Stopp!“ zu
rufen, dazu ermuntert, das persönliche Lebensprojekt zu
suchen und zu entwerfen, um nicht in der Masse zu
versinken. In einer so gestalteten Befähigung für die
Zukunft können Vielfalt und Visionen motivieren zu
lebenslangem Lernen.
Selbstkritisch könnten wir
als Schulgemeinschaft die Frage stellen: Sind wir fit
für die Zukunft? Ist unsere Schule fit für die Zukunft?
Schaue ich nur einen Moment in mich selber hinein, da
stelle ich Herzrasen fest. Das vergangene Schuljahr war
rasant. Wie viele Neuerungen wurden eingeführt,
experimentiert, Gebäude in Betrieb genommen, und was
steht uns in diesem Jahr noch alles bevor? Als
mittelmäßig Technik interessierter Mensch bin ich
gespannt, wie schnell ich die neuen Programme und Geräte
beherrsche, um fit for our future zu sein. Die Dynamik
des Prozesses, stets den neuesten Anforderungen zu
genügen zeigt mir, dass bei uns ein unwahrscheinlich
lebhafter Geist zu Hause ist. Warum sollte diese
motivierte Ausstrahlung nicht anstecken?! Natürlich tut
sie das nur, wenn die geliebte Lebendigkeit zu keiner
ständigen Überforderung wird. 125 Jahre
Schulgeschichte kann das Fieldgen in diesem Jahr feiern
– ein Grund, um ein erstes optimistisches „JA“ auf meine
eben gestellt Frage zu antworten. Nach 125 Jahren
Fitness dürfen wir sicher sein, dass wir als
Schulgemeinschaft fit sind. Ein Blick auf die
Architektur: Der alte stets erneuerte Gebäudekern bietet
schon so viele Jahre Raum, um junge Mädchen, seinerzeit
sogar überfortschrittlich, auf die Anforderungen der
Zukunft vorzubereiten. Die über die Jahre angefügten
Gebäudeteile mit dem gerade im letzten Jahr eröffneten
Bâtiment E sind architektonische Zeichen, dass die
Schule dynamisch und fortschrittlich ist und bleibt.
Gerade beim Bauen wird deutlich, wie geduldig man für
die Zukunft planen muss, wie gründlich bedacht werden
muss, damit man Gebautes nicht bald wieder einreißen
muss – auf dem guten Grund baute man Neues zu jeder
Stund.
Mit der Feier unserer 125 Jahre wurden
auch die Grundüberzeugungen überarbeitet oder besser
gesagt auf den Punkt gebracht. Die Charta versteht sich
mit Sicherheit als etwas Neues, nicht aber als ein Text,
der ganz neue Gedanken formuliert. Vielmehr soll eine
nach außen sichtbare Identität ins Wort gebracht werden,
welche die Schule schon lange hat und derer sie sich
erinnert, vielleicht auch neu dazu ermutigt. Eigentlich
jeder der Grundsätze ist uns bekannt. Kollegen, die
länger im Dienst sind als ich, werden dies sicher
bestätigen: Uns ist gelegen an einer gemeinsamen
bestmöglichen Entfaltung der Fähigkeiten einer/eines
Jeden. Selbstständigkeit und Selbstentfaltung sind
Hauptziele allen schulischen Geschehens. Positive
Freiheit ist uns ein Anliegen. Wir achten auf und
sensibilisieren für den Erhalt unserer Natur, die unser
Lebensraum ist. Wir wünschen uns engagierte, über sich
hinaus schauende, verantwortungsvolle und kritische
Menschen für unsere Zukunft, die nicht einfach billigen
propagandistischen Parolen erliegen, die es in den
Wahlkämpfen und nationalen Spannungslagen unserer Zeit
zur Genüge gibt. Schon das letzte Jahresmotto rief nach
Menschen, die „Across Borders“ denken.
Unsere
Schule ist christlich, aber nicht unkritisch und
indoktrinierend. Deshalb bietet sie auch Raum für die
spirituelle, geistliche Orientierung und Reifung. Dies
ist ein Thema, das unbedingt auch angesprochen sein
muss, da wir in diesem Jahr ein neues Fach beginnen. Als
Schule der Gemeinschaft der Schwestern der Doctrine
Chrétienne orientieren wir uns stärker am Christentum
als an anderen Religionen. Aber was heißt das?
Verschlossenheit, Elitedenken, Exklusivismus? Nein! Zu
den großen Festen der Kirche und des Landes (s.
Marienoktav) spüren wir, woher die Schule kommt, was sie
an christlicher Tradition mitbringt. An ihrer
weltoffenen, liebevoll sorgenden, beweglichen,
dialogbereiten und dem Menschen zugewandten Art erkennen
wir, dass sich das Schulleben aus den Kernaussagen des
Christentums speist. Kann ein Glaube, der zu
Gastfreundschaft anderen Weltanschauungen und Religionen
gegenüber, zu zeitgemäßer umfangreicher Bildung
aufgeschlossen ist untauglich sein für die Zukunft?
Ich wünsche uns, dass wir dynamisch, selbstbewusst,
wachsam und achtsam, rückblickend und aufgeschlossen,
vertrauend und mit einer Portion Glaube, wer mag, ins
neue Schuljahr starten – Fit for the Future.
Michael Ternes 2016/17
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