Thème d'année

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Thème de cette année scolaire 2016-2017
 

 
 
 

Englische Wendungen in einem deutschen, luxemburgischen, französischen etc. Satz lassen allem Anschein nach jedwedes Thema gleich moderner, dynamischer und unserem schnelllebigen Zeitgeist angemessener erscheinen. Englisch ist die Weltsprache Nummer 1. Wen will es da verwundern, wenn man Blicke in die Zukunft, Konzepte und ähnliches englisch betitelt.

Nach einer Runde Fußball, 20 Bahnen im Schwimmbad oder einer Runde Body Pump im Fitnessstudio liest man vielleicht den Aufruf zu mehr Bewegung und Gesundheit aus dem Jahresthema. Bewusste Ernährung, nachhaltig-ökologisches Wirtschaften mit unseren Ressourcen – all das sind Themen, die einem beim ersten Googlen zum Titel, ob mit oder ohne Artikel, entgegenschlagen. Ebenfalls tauchen eine gute schulische Bildung, neue pädagogische Konzepte mancher Schulen auf, wie natürlich auch eine entsprechende mediale Ausrüstung und Kompetenz. Sprich: Alles was uns tauglich für die Zukunft macht, also zukunftsfähig, wird unter diesem Titel offeriert. Ob vergangenheitsverliebte Ewiggestrige, gegenwartsfixierte Entspannte oder zukunftssehende Hysteriker - alle preisen Ideen an, die uns tauglich machen sollen für die Zukunft.

Dass ein gesundes Maß dabei zu finden sein muss, war schon den Zisterzienserinnen (Frauenorden) des 12. Jhs. klar, die in der idyllischen Eifel um die Reliquie des Hl. Thomas Becket Heimat fanden. Auf einer der Klostermauern, die das Gelände umgibt, ist zu lesen: „Am Alten, so es gut ist, halten, aber auf dem alten Grund neues bauen zu jeder Stund.“ Wie schön verbindet dieser alte Spruch die Überzeugung, dass ein bewusster Blick in die Vergangenheit unerlässlich ist, um Kostbares nicht einfach zu verlieren. Gleichzeitig ermahnt der Satz aber auch, sich nicht einfach einzurichten, stillzustehen, faul zu werden.

Als ich vor dem Verfassen dieses Textes eine kleine Umfrage machte zu der Frage „Was verbindest du mit unserem Jahresthema?“, kamen etwa folgende Worte: fortschrittlich, offen, spritzig, frech, dynamisch, agil, modern, körperlich und geistig fit, vernetzt, zurückschauen und vorausschauen, up to date sein etc. Immer wurde angemerkt, dass es bei diesem Fit-Sein aber nicht bloß um uneingeschränkte Offenheit für alles Neue gehen kann. Es wurde gewarnt vor Schnelllebigkeit, gemahnt dazu, auch einmal „Stopp!“ zu rufen, dazu ermuntert, das persönliche Lebensprojekt zu suchen und zu entwerfen, um nicht in der Masse zu versinken. In einer so gestalteten Befähigung für die Zukunft können Vielfalt und Visionen motivieren zu lebenslangem Lernen.

Selbstkritisch könnten wir als Schulgemeinschaft die Frage stellen: Sind wir fit für die Zukunft? Ist unsere Schule fit für die Zukunft? Schaue ich nur einen Moment in mich selber hinein, da stelle ich Herzrasen fest. Das vergangene Schuljahr war rasant. Wie viele Neuerungen wurden eingeführt, experimentiert, Gebäude in Betrieb genommen, und was steht uns in diesem Jahr noch alles bevor? Als mittelmäßig Technik interessierter Mensch bin ich gespannt, wie schnell ich die neuen Programme und Geräte beherrsche, um fit for our future zu sein. Die Dynamik des Prozesses, stets den neuesten Anforderungen zu genügen zeigt mir, dass bei uns ein unwahrscheinlich lebhafter Geist zu Hause ist. Warum sollte diese motivierte Ausstrahlung nicht anstecken?! Natürlich tut sie das nur, wenn die geliebte Lebendigkeit zu keiner ständigen Überforderung wird.
 
125 Jahre Schulgeschichte kann das Fieldgen in diesem Jahr feiern – ein Grund, um ein erstes optimistisches „JA“ auf meine eben gestellt Frage zu antworten. Nach 125 Jahren Fitness dürfen wir sicher sein, dass wir als Schulgemeinschaft fit sind. Ein Blick auf die Architektur: Der alte stets erneuerte Gebäudekern bietet schon so viele Jahre Raum, um junge Mädchen, seinerzeit sogar überfortschrittlich, auf die Anforderungen der Zukunft vorzubereiten. Die über die Jahre angefügten Gebäudeteile mit dem gerade im letzten Jahr eröffneten Bâtiment E sind architektonische Zeichen, dass die Schule dynamisch und fortschrittlich ist und bleibt. Gerade beim Bauen wird deutlich, wie geduldig man für die Zukunft planen muss, wie gründlich bedacht werden muss, damit man Gebautes nicht bald wieder einreißen muss – auf dem guten Grund baute man Neues zu jeder Stund.

Mit der Feier unserer 125 Jahre wurden auch die Grundüberzeugungen überarbeitet oder besser gesagt auf den Punkt gebracht. Die Charta versteht sich mit Sicherheit als etwas Neues, nicht aber als ein Text, der ganz neue Gedanken formuliert. Vielmehr soll eine nach außen sichtbare Identität ins Wort gebracht werden, welche die Schule schon lange hat und derer sie sich erinnert, vielleicht auch neu dazu ermutigt. Eigentlich jeder der Grundsätze ist uns bekannt. Kollegen, die länger im Dienst sind als ich, werden dies sicher bestätigen: Uns ist gelegen an einer gemeinsamen bestmöglichen Entfaltung der Fähigkeiten einer/eines Jeden. Selbstständigkeit und Selbstentfaltung sind Hauptziele allen schulischen Geschehens. Positive Freiheit ist uns ein Anliegen. Wir achten auf und sensibilisieren für den Erhalt unserer Natur, die unser Lebensraum ist. Wir wünschen uns engagierte, über sich hinaus schauende, verantwortungsvolle und kritische Menschen für unsere Zukunft, die nicht einfach billigen propagandistischen Parolen erliegen, die es in den Wahlkämpfen und nationalen Spannungslagen unserer Zeit zur Genüge gibt. Schon das letzte Jahresmotto rief nach Menschen, die „Across Borders“ denken.

Unsere Schule ist christlich, aber nicht unkritisch und indoktrinierend. Deshalb bietet sie auch Raum für die spirituelle, geistliche Orientierung und Reifung. Dies ist ein Thema, das unbedingt auch angesprochen sein muss, da wir in diesem Jahr ein neues Fach beginnen. Als Schule der Gemeinschaft der Schwestern der Doctrine Chrétienne orientieren wir uns stärker am Christentum als an anderen Religionen. Aber was heißt das? Verschlossenheit, Elitedenken, Exklusivismus? Nein! Zu den großen Festen der Kirche und des Landes (s. Marienoktav) spüren wir, woher die Schule kommt, was sie an christlicher Tradition mitbringt. An ihrer weltoffenen, liebevoll sorgenden, beweglichen, dialogbereiten und dem Menschen zugewandten Art erkennen wir, dass sich das Schulleben aus den Kernaussagen des Christentums speist. Kann ein Glaube, der zu Gastfreundschaft anderen Weltanschauungen und Religionen gegenüber, zu zeitgemäßer umfangreicher Bildung aufgeschlossen ist untauglich sein für die Zukunft?

Ich wünsche uns, dass wir dynamisch, selbstbewusst, wachsam und achtsam, rückblickend und aufgeschlossen, vertrauend und mit einer Portion Glaube, wer mag, ins neue Schuljahr starten – Fit for the Future.

Michael Ternes
2016/17

 
 

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