Thème d'année

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Thème de cette année scolaire 2015-2016
Version française

 
BORDERS – Dicke schwarze Lettern markieren wie Zaunpfähle eine undurchlässige Grenze, quer über das Logo von unserem diesjährigen Jahresthema. Wie wir mit der Grenze umgehen sollen, verrät uns das gesamte Logo: Think across borders, denke über die Grenzen hinaus, traue dich, die Richtung deines Denkens zu ändern, wie der Künstler Francis Picabia sagt: „Unser Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.“ „Denk méi wäit“, die luxemburgische Version des Jahresthemas, klingt bescheidener. Von der Überwindung einer Grenze ist hier nicht die Rede, aber von einem ersten wichtigen Schritt darauf hin. Wer „méi wäit“ denkt, entdeckt seine subjektiven Grenzen. Eingefahrene Vorstellungen, liebe Gewohnheiten, unhinterfragte Selbstverständlichkeiten garantieren zunächst einmal ein sicheres wenn auch nicht unbedingt spannendes Leben. Wer anfängt weiter zu denken, sich zu bewegen, der wird unweigerlich an Grenzen stoßen, wird sie vielleicht erstmals wahrnehmen. Dann steht eine Entscheidung an: will ich, um den Preis der Sicherheit, noch weiter denken, will ich mein kleines Schneckenhaus-Ego verlassen, aus mir herausgehen und mich gedanklich wie praktisch auf ein Leben jenseits meiner Grenzen einlassen? Anders formuliert: bin ich bereit, das lebenslange Abenteuer Grenzüberschreitung einzugehen, immer weiter zu denken und zu gehen, auf das andere, den anderen hin. Den spannenden Prozess der Selbstüberschreitung mit Kopf, Herz und Hand nennt man auch Menschwerdung und unter günstigen Bedingungen kommt dieser Prozess im Jugendalter so richtig in Schwung.

BORDERS 2015 – Fast unüberwindbar, gefährlich und schrecklich oft tödlich stehen sie für den heißen Sommer dieses Jahres. Eine wahre Völkerwanderung von Menschen aus Syrien, dem Nordirak und anderen Ländern, die in den Kriegsgebieten um ihr Leben fürchten, ist in Europa angekommen. Tausende junger Menschen aus dem Kosovo und Albanien verlassen ihre Heimat, weil sie dort keine Zukunft für sich sehen. Für die Flüchtlinge steht „Think across borders“ für die Hoffnung auf menschenwürdiges Leben, oft „nur“ Überleben jenseits ihrer Landesgrenzen, was sie unglaubliche Strapazen auf sich nehmen läßt. An dieser Stelle soll der vielen Menschen gedacht werden, die die Flucht nicht überlebt haben. Allein mehr als 2000 Bootsflüchtlinge sind auf dem Weg über das Mittelmeer nach Europa in den ersten sieben Monaten dieses Jahres ums Leben gekommen. Am 3. September geht ein Bild um die Welt, das symbolische für das Grauen der Flucht und das Versagen Europas steht: ein türkischer Polizist trägt die Leiche des kleinen dreijährigen Aylan Kurdi vom Strand fort, dessen Familie auf der Flucht aus dem syrischen Kobane vor dem IS war. Im türkischen Twitter wird das Bild mit der Unterschrift „Die fortgespülte Menschlichkeit“ verbreitet. Wir sollten beklagen, dass das neue grenzenlose Europa, von dem wir selbstverständlich mit Reise- und Arbeitsfreizügigkeit, mit Austauschprogrammen für junge Menschen profitieren, zur Festung Europa degeneriert. 26 Jahre nachdem wir den Fall der Berliner Mauer bejubelt haben, werden in und an Europas Grenzen scharfzackige Stacheldrahtzäune errichtet. Machen wir ernst mit der Aufforderung „Think across borders“,werden wir uns nicht an die tödlichen Grenzen und Ausgrenzungen gewöhnen, sondern „méi wäit“ denken und die Grenzen unseren Solidarität und Hilfsbereitschaft ausweiten. So werden letztlich auch wir gewinnen: an Menschlichkeit.

Think across BORDERS hier und heute an unserer Schule, die ja ein Ort des Denkens ist – Von dem Philosophen Ernst Bloch stammt der Satz „Denken heißt überschreiten“. Dieser Ausspruch stellt eine Zuspitzung des Jahresthemas dar, weil in Blochs Sinne Denken immer überschreitend, ja transzendental ist, sonst ist es kein Denken. Wer denkt, wagt sich über das Gegebene, das Übliche hinaus in neue Gefilde. Wer denkt, bestätigt nicht die Faktizität des Bestehenden, sondern spürt mit dem Möglichkeitssinn der Veränderbarkeit der Welt nach. Von dieser utopischen Qualität des Denkens spricht Bloch in seinem Hauptwerk „Prinzip Hoffnung“. Eine Schule, die sich „Think across borders“ auf ihre Fahnen schreibt, ist mehr als ein bloßer Ort der Wissensvermittlung. Sie versteht sich als Ort der Menschen-Bildung, der die Jugendlichen befähigt, grenzüberschreitend mit sich selbst und solidarisch mit den anderen auf eine bessere Zukunft hin immer weiter zu gehen. „Think across borders“ fordert auf, für die Welt außerhalb der Grenzen der Schule zu sensibilisieren. So dürfen das Elend der Flüchtlinge und viele andere gesellschaftliche Probleme nicht außen vor bleiben. Sie müssen die Haltung des Lehrens und den Prozess des Lernens maßgeblich bestimmen. Lernen geschieht niemals in einem luftleeren, abgeschlossenen Raum. Lernen, verstanden als kreative und engagierte Aneignung der Welt, gelingt, wenn, across the borders, die Glasglocke schulischen Lernens überwunden wird. „Think across borders“ will geübt sein. Mit unserem neuen Projekt „Ecole à la carte“ öffnen wir die Schule für die Faszination grenzüberschreitenden Lernens. Wir experimentieren damit, was geschieht, wenn wir die Grenzen der Disziplinen, konventioneller Lehrverfahren, der Klassenverbände ... hinter uns lassen.

Think across BORDERS – In dieser Aufforderung findet sich die Essenz der Frohen Botschaft, die Kernformel des Christentums. Als christliche Schule lassen wir uns gern von der Grunddynamik inspirieren, die Jesus in Gang gesetzt hat: unsinnige gesellschaftliche Grenzen zu missachten um der größeren menschlichen Gemeinschaft willen, in der Liebe nicht nur gedacht sondern getan wird. „Es gibt nicht mehr Juden und Christen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau, denn ihr alle seid „einer“ in Christus Jesus.“ (Gal 3,28). Christen sind Bürger einer neuen, grenzüberschreitenden Wirklichkeit, in der mit Jesus die Grenze zwischen Himmel und Erde aufgehoben und alles möglich ist.

Immer liegt im Neuen, auch in einem neuen Schuljahr, eine Chance und in der Herausforderung eine Möglichkeit, über sich selbst hinauszuwachsen und ungeahnte Kräfte zu entwickeln und mit Erstaunen stellen wir fest, dass die Kraft dazu uns geschenkt wird.

In dieser Gewissheit wünsche ich uns ein Schuljahr mit vielen (nicht nur gedachten!), POSITIVEN, mutigen, fröhlichen Grenzüberschreitungen.

Christina Fabian-Heidrich

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