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Thème de cette année scolaire 2014-2015
 
 
Die Aussage „You´re beautiful“, „Du bist schön“ ist seit jeher eine sinnliche Aussage. Und um jedem Vorurteil von Beginn an vorzubeugen, auch die Religionen sprechen von der Schönheit als einer sinnlichen Dimension. Bäder (Lev 14-15), Körperpflege mit Seife (Jer 2,22), die Verwendung von Öl und Salben (Rut 3,3), das Schminken, die Haarpflege und das Haarefärben (Ps 23,5; Hld 7,6) bis hin zur einjährigen Schönheitspflegekur (Est 2,12) gehören bereits zum Programm des Alten Testaments und sind nicht erst ein Ergebnis moderner Schönheitsfarmen.

Das Hohelied als Textsammlung verschiedener Liebeslieder verwendet eine Symbolsprache, um die Schönheit der Frau oder die des Mannes zu umschreiben, die uns heute entweder erröten oder lauthals lachen lässt. Welche Frau würde schon gerne hören, dass ihre Frisur „einer Herde von Ziegen (ähnelt), die herabzieht von Gileads Bergen“? Aber so drückte man sich in der Zeit vom 10. bis 3. vorchristlichen Jahrhundert eben aus. In diesen Jahrhunderten wurden diese Liebeslieder, teils verbunden, teils eigenständig, komponiert. Lange Zeit war umstritten, ob man das Hohelied wegen seiner Bildsprache zu Schönheit, Liebe und Erotik überhaupt in die Heilige Schrift aufnehmen sollte. Heute gehört es für uns Christen zum Alten Testament.

Interessanter Weise erinnern uns derart alte Textstücke daran, dass wir mehr als nur einen Sinn zur Verfügung haben, um Schönheit zu erfassen. Es drängt sich manchmal der Eindruck auf, dass alleine das Aussehen über Schönheit bestimmen würde und dabei die alte Warnung ganz außer Acht gerät: Qui tacuisses, philosophus manuisses (Hättest du geschwiegen, wärest du Philosoph geblieben.). Und wer hätte es gedacht, dieser Ausruf war nicht nur in der lateinischen Welt bekannt, sondern den frühen Muslimen Persiens sehr geläufig. Man schätzte nicht nur das Äußere einer Frau, dass farbenprächtig und figürlich in Bildern dargestellt wurde, sondern wähnte eine Frau erst dann besonderer Schönheit, wenn sie sich auch gewählt und gepflegt ausdrücken konnte. Und mal ehrlich: Würde äußere Schönheit gefolgt von einem „Ich gehe Cactus“, dürfte bei manchen die erste Bewunderung schnell verflogen sein.

Nun reißt unser Jahresmotto den Begriff beautiful ja etwas auseinander, gestaltet ihn um und gibt ihm so eine Tiefenbedeutung, die der Begriff Schönheit von Beginn an hatte. Religiös und philosophie-geschichtlich pendelte das Verstehen des Begriffs zwischen den Extremen einer vergeistlicht ontologischen und einer äußerlich körperlichen Schönheit.

Betrachten wir das Motto nun Wort für Wort. „Be“ im Infinitiv oder Imperativ verwendet offeriert uns zwei Dimensionen unseres Mottos von enormem Reichtum.

Erstens: „Sein“ ist die Voraussetzung dafür, dass überhaupt etwas als wie auch immer seiend (schön, gut, rund etc.) beschrieben werden kann. Die Voraussetzung, um schön sein zu können ist also, überhaupt zu existieren. Ein Blick auf die Psychologie und therapeutische Ansätze, dann aber auch alle Formen meditativer Übungen lässt erkennen, dass dieser wohl einleuchtende und primitivste Gedanke jener ist, der die Menschen in Scharen zu jedweder Form der Meditation strömen lässt: Sich selbst als seiend wahrzunehmen kriegt man vielleicht  noch hin. Aber man meditiere einmal den Satz: „Ich lebe“. Simpel und magisch zugleich, da er vielleicht fragen lässt: Wozu? Warum? Wie lange? Wie? Etc.

Zweitens: Ob im Bilde des Weltenformers oder dem, der aus Nichts mit dem bloßen Wort den Beginn allen Seins erschafft, ein oder mehrere höhere Wesen scheinen im Glauben und den Fantasien der Menschen einmal entschlossen zu haben, dass etwas sein soll („Sei!“) und eben nicht Nichts sein soll. Nur noch fundamentalistische Religionsgruppen nehmen an, dass alles, was ist, genau so entstanden ist, wie es in den alten Texten, ob Bibel, Koran u.a. beschrieben wird. Aber der Gedanke, dass jemand die Welt und somit uns gewollt hat, bietet den Menschen eine stärkende und tragende Wärme, die sie neben aller Verstandeskraft eben brauchen – diese Menschen, die Sinnenwesen. Damit sind wir wieder bei den Sinnen und fragen nach der Schönheit dessen, das ist, bzw. das sein soll.

You!“ oder „You?“: Wenn jemand mit „Du“ angesprochen wird, so setzt diese Ansprache mehr in den romanischen Sprachen als in der englischen Nähe voraus. Im Englischen entscheidet sich erst bei der Namensnennung, wie nahe sich die Personen stehen, die sich ansprechen. Auf jeden Fall verbirgt sich hinter dem „Du“ eine Person mit allen Seiten menschlicher Existenz. Man müsste also eigentlich nachfragen, was die Person alles im Kopf hat, wenn sie uns anspricht mit „Du“. Manche reduzieren uns auf die äußere Erscheinung, andere sehen mehr. Sie sehen unsere Stärken, kennen und schätzen unsere Eigenschaften, wissen auch um kritische Seiten, adressieren uns als ein Individuum und nehmen Position zu uns.

Be You“ – „Sei Du“ ist eine Ermutigung, ein Aufruf zu Selbstachtung und -verwirklichung. Der italienische Geschichtsschreiber und Poet Petrarca (1304-1374 n. Chr.) zitierte bei der Besteigung des Mont Ventoux einen Vers des Kirchenvaters Augustinus (354-430 n. Chr.), der seinerzeit unterstreichen wollte, wie schnell wir uns von dem Wesentlichen, uns selber, abwenden und uns mit Höhen und Idealen befassen, uns von uns selber ablenken und uns dabei vergessen:

Und es gehen die Menschen hin, zu bestaunen die Höhen der Berge, die ungeheuren Fluten des Meeres, die breit dahinfließenden Ströme, die Weite des Ozeans und die Bahnen der Gestirne und vergessen darüber sich selbst.“ (Confessiones X, 8)“.

Der Begründer des Alpinismus, Petrarca, bestaunt die Welt und ihre Schönheit und möchte sie höher achten als eine bloße Durchgangsstation, während Augustinus viel stärker den Menschen mit himmlischer Zielrichtung im Blick hat und bisweilen als körper- und weltfeindlich verstanden werden kann. Beide Autoren bieten uns ein breites Mittelfeld. In diesem können wir unsere Identität finden und diese liebevoll annehmen. Wir sollen aber auch die Welt als Komposition aus allem Leben der Erde und dem Menschen erleben, als ein Kunstwerk, dass trotz allem Chaos von Gott selber als „sehr gut“ (Gen 1,31) bewertet wird. Wir haben in der Welt Platz genug wir selbst zu sein. Habt Mut dazu! Mut braucht es, denn Selbst sein bedeutet: Gib dich zu erkennen! Grenze dich ab, wo Konformismus dich entstellt! Beachte die Grenzen der Anderen, damit auch sie individuell sein können! Arrangiert euch, und lasst Kompromisse zu, aber nur da, wo es keine faulen Kompromisse sind!

Seid „ful(l)“ – voll, erfüllt- von euch selber. Ganz im Gegensatz zu einem Gefäß, das gefüllt keinen Platz für anderes bietet, heißt erfüllt hier nicht Selbstverliebtheit und Egoismus. Das Paradoxe bei der Liebe zu sich selber ist ja, dass sie Bedingung ist, um andere zu schätzen und stärken zu können. Irgendwo ist es aber auch logisch: Zufriedenheit mit sich selber ist die Voraussetzung, um anderen Schönheit, Gutsein etc. zugestehen zu können. Allzu menschlich scheint es, dass man ungern Güte zugesteht, wenn man mit sich selber nicht im Reinen ist.

Be-YOU-tiful soll also unser Rezept sein, um in diesem Jahr einen gesunden Bezug zu uns selber, ja, Liebe zu uns selber zu entfachen, um gelassener, friedlicher und liebevoller auf unser Umfeld zu schauen.

Die Fotografin Jade Beall fotografiert die Körper von Müttern, die sich selber durch die Zeichen der Schwangerschaft als hässlich erachten. Ihr Ziel ist es, den Müttern ihre bleibende Schönheit trotz mancher Falte aufzuzeigen, ihnen wieder zu Selbstliebe zu verhelfen. Deutlich wird an ihrem Konzept, dass die Schönheit des Körpers nicht einfach egal ist. Aber mit Ausrufezeichen möchte sie betonen, dass Schönheit nicht dadurch verloren geht, dass ein Körper sich verändert. Schon gar nicht geht Schönheit verloren, nur weil das optische Ideal die Zeichen der Schwangerschaft aufweist, die Voraussetzung dafür ist, dass wir leben. Jade Beall hat vielen Frauen geholfen, den gezeichneten Bauch als Symbol für das Leben des Kindes zu sehen, dem die Mütter in tiefster Liebe verbunden sind. „Schön seid ihr, weil ihr einem Du Leben geschenkt habt, schön aber auch, weil man euch und keiner anderen in die Augen schauen kann.

Mir ist in der Ausarbeitung dieses Artikels deutlich geworden, wie wichtig es sein kann, nachzufragen. Fragt doch einmal, wenn euch jemand sagt „Du bist schön!“, was eigentlich gemeint ist. Macht euch einen Spaß daraus nachzuhorchen, ob ihr auch noch schön seid, wenn die ersten Falten kommen. Wenn dem so ist, dann wisst ihr, dass ihr nicht bloß Schauobjekte seid, sondern dass euer Gegenüber das sehr Gute, das wirklich Schöne, an euch entdeckt hat.

Ein letzter Rat an dieser Stelle: Selbst- und Nächstenliebe gestalten sich für jeden individuell, ergeben sich in jeder Situation neu und gehören zu den härtesten, aber lohnenswertesten Lektionen. Daher benötigen sie Geduld, ein Leben lang. Charlie Chaplin konnte zu seinem 70. Geburtstag endlich einen Text verfassen, in dem er für sich erkannte, dass sein ganzes Leben eine Bewegung zu dem Punkt hin darstellte, „als (er) ich (sich) mich selbst zu lieben begann…“.                 

Be-YOU-tiful!

Für das Aumônerie-Team,    
Michael Ternes  

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